Sonntag, 12. Oktober 2008

Leben vs Kunst 2:0

Man sitzt immer da und denkt wie unrealistisch und übertrieben Soaps, Bücher und Filme oft sind. Zuviel Drama und Dummheit und Naivität. Aber vielleicht ist das doch nicht so. Ich ertappe mich oft dabei wie ich mich in meinem Bekanntenkreis umsehe und denke: als wären wir noch immer 17. Menschen können erwachsen werden, mittelalt oder alt. Und trotzdem fühlen sich die zwischenmenschlichen Verwirrungen ebenso kindisch und unreif an wie damals, als wir damit anfingen und auf Schulhöfen um den coolsten Zehntklässler konkurrierten und darüber sämtliche Freunde verloren. Ich bin über dreißig, und der signifikante Unterschied ist, daß heute tatsächlicher Sex involviert ist und nicht nur dummes Geschwätz und Gerüchte darüber.
Da ist zum einen die Geschichte der Zwillinge, Freunde eines Freundes. Ich habe sie vor einigen Jahren mal häufiger gesehen, vor allem beim Ausgehen in diversen Gruppen und auf Parties. Ich fand sie nett, aber nie wurden Telefonnummern getauscht oder Schritte unternommen, sich bewußt und mit Absicht zu treffen. Irgendwann sah man sich einfach nicht mehr. Zu dem Zeitpunkt hatte der eine Bruder schon einige Zeit eine Freunding. Dieses Mädel, einige Jahre jünger als er und somit noch ein paar jünger als ich war ein aufgedrehtes Partymäuschen und alle dachte, daß diese beiden es wohl kaum länger zusammen aushalten würden. taten sie aber, sie waren jahrelang zusammen. Währenddessen ging Bruder2 für einige Monate nach England, machte einen Abschluß (da hatte ich persönlich schon mit beiden nix mehr zu tun und hörte nur manchmal was von besagtem gemeinsamen Freund) und lernte ein Mädel hier in der Stadt kennen das ich schon lange kenne weil sie mit meinem lieben Ex-Freund studiert hatte und eine Zeit sehr eng mit ihm war. Die nun war auch eher ein Partymädchen, und zwar eines, das immer auf der Jagd war nach möglichtst exclusiven Herren. Sie interessierte sich für sämtliche coolen DJs (es gibt furchtbar viele DJs hier, cool und uncool. Erstaunlich angesichts der Tatsache, daß wir hier nicht mit einem enormen Übermaß an Clubs gesegnet sind...), interssierte sich für Designstudenten, Musiker - sie war ein Minipromiluder. Ohne die wirklichen Promis. Sie musste isch aufgrund fehlender echter Alternativen mit denen abgeben, die es eben zu einer gewissen lokalen Bekanntheit geschaft hatten. Ohne Bruder2 beleidigen zu wollen: er gehört eigentlich überhaupt nicht in diese Kategorie. Aber er ist nett und so dachten wir: sie besinnt sich und sucht sich endlich mal Typen die nicht nur cool ansonsten aber Ärsche sind und wählt einen, der sie vielleicht nicht wie ein dummes Groupie scheiße behandelt. Soweit mein Wissenstand diese beiden Jungs betreffend bis Freitag. Da erzähte mir unser Freund Zwilling 1 habe sich von seinem blonden Partyhüpfer getrennt weil sie ihn mit einem besagter "coolen" DJs betrogen habe! Monatelang hat sie anscheinend beiden etwas vorgemacht. Dem DJ hat sie erzählt sie sei nicht mehr mit Bruder1 zusammen, der widerum nichtmal ahnte, daß er mit irgendwem betrogen wurde. Irgendwann kam's aber raus und nun will sie keiner von beiden mehr. Die Gute scheint ein Päckchen Reue zu schleppen, jedenfalls legt sie ihrem Zwilling jetzt Blumen vor die Tür und lauert ihm auf um ihn zurückzugewinnen. Und Zwilling2 ergeht es nur wenig besser! Sein Partymädchen bandelte nämlich auch erneut mit einem (ihr ahnt es!) DJ an, einem der mit dem mit dem Bruder 1 betrogen wurde sogar zusammen auflegt. Bloß versuchen diese beiden das wieder zu kitten und haben sich noch nicht getrennt. Vermutlich war das eine einmalige Sache und kein über Monate gezogener Betrug wie bei Bruder1...
Stellt sich die Frage, ob eineiigen Zwillingen das Schicksal wirklich so ähnlich mitspielen muß? Gibt es da nicht Studien die besagen, daß Zwillinge die, als Babies getrennt, nichtmal voneinander wissen, dennoch fast identische Lebensläufe haben? Zur gleichen Zeit heiraten und sich scheiden lassen? Frauen mit ähnlichen Namen und Haarfarben wählen und gleiche Fehler machen? Wundern würde es mich nicht.
Und wenn man dann noch die Geschichte eines anderen Freundes mit einbezieht der, hier in einer eher unglücklichen Beziehung steckend, mit seiner Freundin ausmachte, daß Internetbetrug keiner sei. Und sich im Second Life tatsächlich eine Geliebte gesucht hat, jemanden aus Australien, deren echten Namen und Alter er zwar nicht kennt, mit der er aber nach eigenem Bekunden sexuelle Erlebnisse hat die intensiver seien als das meiste, was er in der wahren Welt erlebt habe. Ich bin altmodisch, zu romantisch und definitiv nicht postmodern genug für dererlei Dinge! Ich hörte ihm zu und mir wurde ganz traurig zumute. Mag sein, daß ich nicht experimentierfreudig genug bin, aber sowas anstelle einer funktionierenden realen Beziehung zu haben finde ich zutiefst deprimierend. Ich kann mir knapp noch vorstellen, sowas auch mit jemandem zu erleben, den man auch in der Realität trifft. Als man selbst vor allem. Sich auf einer Spielebene soweit vorzubewegen und mit einem für sich erfundenen Charakter sich in einen anderen erfundenen Charakter quasi zu verlieben erscheint mir einfach nicht gesund. Ich würde einen Mensche vermissen, ein Wesen, daß ich auch berühren kann. Ich glaube schon, daß man sich im Internet über die rein "geistige" Ebene in jemanden verliebt (auch wenn ich mir das schwierig vorstelle mit Avataren im 2nd Life!) und ich glaube auch wenn Leute dann sagen, daß ihnen das Aussehen des anderen irgendwann nicht mehr wichtig ist. Schön und gut, vielleicht sogar löblich. Aber muß ein Mensch nicht irgendwann das Bedürfnis haben diesen Internetpartner auch real zu treffen? Ich glaube nicht, daß mich Internetsex auf Dauer glücklich machen könnte, und es geht ja nicht nur um puren Sex. Mit Menschen die einem soviel bedeuten will man doch überhaupt physischen Kontakt. Ich zumindest. Ich glaube nicht, daß mir das online ersetzt werden könnte.
Ich staune also nur was da los ist mit meinen Freunden. Würde ich das im TV sehen wäre ich betsimmt geneigt zu sagen, daß das übertrieben und unglaubhaft sei. Pah.

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