Ich teile meine Wohnung mit allerlei Getier. Es gibt zu jeder Jahreszeit rotäugige Fruchtfliegen und Motten in übertriebener Anzahl. Und gegen Herbst erscheinen kleine gelbliche Raupen mit braunem Kopf. Das ist unschön und verleitet zu der Annahme, ich müsse ein reichlich unhygenisch veranlagter Mensch sein. Das sit so nicht richtig. Ich bin durchaus bereit einzugestehen, daß ich ordentlicher sein könnte, regelmäßiger mit Spülen befaßt. Auch entsorge ich meinen Hausmüll nicht täglich. Aber jeden zweiten oder dritten Tag. Was bei Temperaturen von 14°C außen und ca 19°C innen aber auch genügen müßte - vor allem wo ich mich wenig bekoche und meist von restlos zu vertilgendem Toastbrot ernähre. Nein, mein Lebenswandel allein kann der Grund für diese tierische Überbevölkerung nicht sein. Ich mache das alles schon immer so, in jeder Wohnung. Nie hatte ich mehr Zulauf als die obligatorischen sommerlichen Exemplare besagter Fruchtfliegen mit den häßlichen Augen. Hier ist alles anders. Im Sommer, beispielsweise gibt es auch übermäßig viel gemeine Stubenfliegen, brummselnde Mistviehcher die nachst in meinem Schlafzimmer umherirren und mich nicht schlafen lassen. "Ließen" sollte ich sagen, denn zumindest die halten sich in ihren Lebensspannen an jahrtausendealte, natürliche Vorgaben. Nun könnte man vermuten ich sei an den Stadtrand gezogen, näher hin zur Natur, die, wie man meinen sollte, das natürlichere Territorium für meine kleinhirnigen Mitbewohner darstellt. Aber nein. Ich wohne im am wenigsten grünen Teil der Innenstadt, ein Viertel gern als sozialer Brennpunkt verschrien und hauptsächlich von Alkoholikern und Drogensüchtigen bewohnt. Und von Studenten und ausländischen Familien. Leben bei denen auch die Raupen? Was sind das überhaupt für Wesen, Raupen? Gibt es welche die immer Raupen sind, oder sind das immer nur Zwischenwesen auf dem Weg zum fliegenden Ungeziefer oder Schmetterlingsschönling? Während ich das so vor mich hin tippe entdeckt mein manchmal etwas langsamer Verstand eine eklatante Verbindung zwischen Raupentierchen und all den Motten. Ich habe also nur zwei nicht drei verschiedenen Plagegeister, die einen erscheinen nur in unterschiedlichen Darreichungsformen. Ich bin schon manchmal etwas träge im Kopf und die Dinge werden mir erst klar, wenn ich sie auch ausformuliere. Doh!
Gut, wo das jetzt geklärt wäre entscheide ich mich dafür möglichst gründlich nach den Raupen zu suchen. Die lassen sich von Wand und Decke sammeln, ihre albernen Versuche sich schützend aufzurollen nützen gegen meine spitzen Finger ja mal gar nichts. Und dann werfe ich sie raus. Ich bin immer nicht so dafür Ungeziefer zu töten, meist macht das unschöne Flecken. Ich lasse sie lieber draußen erfrieren oder im Dauerregen ertrinken. Ich bin auch kein waschechter Tierfreund. Bleibt jetzt nur noch die Frage wo und wann und wie (schnell) die sich eigentlich verwandeln? Von der Raupe zur staubigen Motte - das geht doch nicht ohne ordentliche Verpuppung oder? Bei genauerer Inspektion der Decken-Ecken finden sich tatsächlich Spuren, winzige faserige, wattige Fleckchen die, mit dem langen Linal von der Decke gekrazt, schimmernde gelbliche Häute mit rötlichbraunem Ende enthalten. Jetzt weiß ich Bescheid und hab immernoch keine Ahnung was dagegen zu tun ist. Stellt sich die Frage, was einem sein ungesundes Halbwissen in so einem Falle nun bringt? Wie immer weiß man nur etwas von einem Sachverhalt, einen Teil. Und wie fast immer ist es der Teil der einem keinerlei praktischen Nutzen die eigentliche Problemlösung betreffend bietet. Mir scheint wir treffen hier wieder einmal auf ein klassisches Dilemma des modernen Menschen. Und darum mag ich keine Insekten. Sie deprimieren mich.
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