Gestern mittag habe ich mich mit Birger getroffen. Wieder seltsam. Ich habe nicht das Gefühl, als ließe er sich noch auf mich ein. Wir haben viel geschwiegen, ein schweres, niederdrückendes Schweigen. Ich saß da und mein Hirn raste und ich war böse auf ihn, sein Verhalten, fühlte mich nach Streit und dachte gleichzeitig, daß das nicht geht. Daß ich diese letzten Treffen nicht mit fruchtlosen Streitereien füllen sollte. Mit Uneinigkeiten, denn er wird mich einfach nicht verstehen. Oder zumindest wird er nicht bereit sein, mit mir darüber zu diskutieren. Was macht es für einen Unterschied, jetzt, ob er sich die letzten Wochen zurückgezogen hat? Vielleicht ist es ebenso schwer für ihn wie für mich, er wird sich aber wohl eher die Zunge abbeißen als mir das zu zeigen, irgendwie.
Ich hab ihm vom Barmann erzählt, und von Anna. Er war sehr ehrlich, kaum hilfreich und wenig tröstlich. Er war ehrlich. Er hat mir nie gesagt, was ich gern hören wollte, eine Eigenschaft, die unseren Freundschaft manchmal mühsam machte. Ich rede schon in der Vergangenheitsform. Er bleibt doch mein Freund. Bleibt er doch. Oder? Kann ein Freund am anderen Ende der Erde sein? Er hat in den letzten Wochen schon nicht mehr mitbekommen, was los war. Hat nicht mehr gefragt, sich irgendwie abgenabelt. Ich will darüber böse sein, persönlich beleidigt und ich will das zum Ausdruck bringen aber ich halte still aus Angst auf einem bösen Ton zu enden.
Ich hab in den letzten 10 Tagen soviel geheult wie seit letztem Sommer nicht mehr. Ich scheine immer wieder anzufangen, kann mich nicht stoppen. Albern. Ich bilde mir ein, daß das Leben gerade übertrieben hart zu mir ist, aber kann das stimmen? Ich fürchte ich bin in diesen Selbstmitleidsbottich gesprungen ohne mir Gedanken gemacht zu haben, wie ich wieder rauskommen will. Ich höre mir selber zu und kotze mich grad selbst son'n bißchen an. Sowas nennt man einen Teufelskreis oder? Gefangen in negativen Gedanken. So könnte der Titel eines Tokio Hotel Albums lauten. Ich will das so nicht, ich muß dagegen angehen. Also treffe ich mich nachher mit Anna. Bin ich noch böse? Ein bißchen. Ich glaube schon, daß unser (Vertauens-)Verhälznis ein bißchen angedötscht wurde. Und ich kenne mich, es wird Gelegenheiten geben, in denen ich ihr das irgendwie unter die Nase reiben wollen werde. Ich hoffe, ich beherrsche mich einigermaßen. Schließ lich habe ich beschlossen, ihr zu verzeihen. Da muß ich es wohl tun. Trotzdem fühlt sich mein Bauch fast so an, wie bei dem Gedanken in die Bar zu gehen und ihn wiederzutreffen. Blöde Gefühle, unbehaglich. Und wir hätten nicht in diese Situation geraten müßen, nicht sie und ich. Das nehme ich ihr schon übel, daß ich mich jetzt nicht 100%ig wohl fühle beim Gedanken meine quasi beste Freundin zu sehen. Wie dumm! Das hätte alles nicht sein müssen!
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