Nun gut. Ich bin ein bißchen schwatzhaft, heute, was aber wohl daran liegt, daß ich schon den ganzen Tag am Computer hocke und versuche eine Idee, die ich heute Nacht hatte in sinn- und klangvolle Worte zu packen. Und daran offensichtlich scheitere. Beim Versuch mich von meiner Unfähigkeit abzulenken fand ich im Internet nicht nur ein Bild eines alten Kollegen von mir (auf der Bildseite, mit einem Artikel zu den erwarteten 1.Mai-Ausschreitungen in Berlin. Zumindest einer von uns hat es zu einer Berühmtheit gebracht, die ihm Bildzeitungsschmähungen einbringt. Respekt!) sondern auch einen kurzen Text von Sufjan Stevens der sich mit Vornamensproblematiken beschäftigt. Naheliegendes Thema wenn man Sufjan heißt, ein Name der selbst für Us-amerikanische Verhältnisse merkwürdig sein muß. Und dort ist es durchaus gängig, seinem Nachwuchs klingende Kreationen wie "Fluß", "Sonnenschein" oder "Keuschheit" (Chastity - so heißt die Tochter von Cher. Was zugegeben in sich schon einen Grund für Besuche beim Therapeuten darstellen könnte...) mit auf den steinigen Weg durch's Leben zu geben. Aber der fremdartig klingenden, nichts bedeutende, schwer auszusprechende Sufjan (dessen erste Silbe tatsächlich ausgesprochen wird wie der deutsche Vollrausch) machte dem Jungen das Leben wohl schon als Kind schwer. Ich habe keine Ahnug, ob die kleine Geschichte, die er da schreibt tatsächlich wahr ist, aber den schieren Gedanken diesen Namen doch bitte gegen was Normales eintauschen zu wollen kann ich sehr gut nachvollziehen. Als Kind gab ich mir bei jedem Spiel einen neuen, meiner Ansicht nach hübscheren Namen (immer wiederkehrende Schönheiten waren "Denise" und "Laura", das ich englisch ausgespochen haben wollte, nach der weiblichen Heldin der innig geliebten Vorabendserie Remington Steel mit Pierce Brosnan. Was bei mir dann ungefähr klang wie "Lohrah" und mich im Nachhinein an einen alten Papageien denken läßt...). Als Teenager dann war ich kreuzunglücklich mit diesem Namen, der meiner Ansicht nach viel zu "öko" klang, fürchterlich uncool und geradezu peinlich. Ich habe mir schon früh erzählen lassen, warum meine Eltern mich Ute nannten. Ihre Argumentation (ein kurzer Name, der sich im Gegensatzt zu dem meiner älteren Schwester nicht durch Verkürzung verunglimpfen liesse und immer genauso darstehen würde, wie sie sich das ausgedacht hätten - meine Mutter nannte mich übrigens ihr Leben lang mit Begeisterung Schnutchen...) schien schlüssig, war aber nicht dazu geeignet, diesen Image Faux Pas zu entschuldigen. Hieß es nicht, der Name bestimme nicht unwesentlich das Wesen? Sollte ich denn eine langweilige, Strickpullover tragende Tuse werden, ohne Chance auf sozialen Aufstieg? War mein Name etwa der Grund, daß ich in der Mittelstufe mit aller Welt aneckte und in der Schule trotz guter Noten (Gott! Eine Streberin schien ich dank meines Namens auch zu sein!) zutiefst unglücklich werden sollte?!
Vermutlich nicht. Was ich schon früh gut an dem Namen fand war seine Seltenheit. Ich kannte mindestens sechs Melanies, vier Steffies, Claudias - Namen, die mir auch nicht wirklich gut gefielen, über die man sich bloß weniger lustig machte. Anna fand ich schön, gibt's aber auch dauernd. Und hätte man mir mit 13 erlaubt, mir selbst einen Namen zu geben - ich möchte lieber nicht drüber nachdenken. Ich finde Ute noch immer eher unschön. Er hat den uncoolen Beigeschmack nie so ganz verloren, und oft erlebe ich es, daß Menschen denen ich meinen Namen sage ein wenig ungläubig zucken. Oder aber ich bilde mir das ein. Es ist überaus schwer, ihn irgendjemandem beizubringen, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist - Holländer und Dänen vielleicht mal ausgenommen. Aber Fakt ist, daß ich mir auch heute vermutlich keinen Namen geben könnte bei dem man sicher sein könnte, daß ich ihn auch in 20 Jahren noch mag. Fiele mir schwer. Was zu der Frage führt, wie das wohl für Eltern ist. Finden die ihre Auswahl nach 15, 20, 30 Jahren wohl immernoch gut? Oder denken sie (wie bei Sufjan in dieser Geschichte) irgendwann: "Mein Gott, was haben wir dem Kind nur angetan?" Vielleicht überlagert die Liebe zu dem Kind, der Stolz den man idealerweise für seine Brut empfinden sollte solche Gedanken. Vielleicht gewöhnt man sich, so wie man bestimmte Namen immer gern bestimmten Haarfarben und Typen zuordnet - meist abhängig von der ersten (oder liebsten) Person, die man mit besagtem Namen jemals kennenlernte. Vielleicht frage ich meinen Vater mal. Ob er Ute noch immer schön findet. Ich bin mir ziemlich sicher, er wird es bejahen. Und auch ich bin lange über den Punkt hinweg, an dem ich in eine andere Stadt ziehen und mich dort mit einem neuen Namen einführen wollte. Eins ist nämlich mal sicher: man kann einen allen bekannten Vornamen nicht plötzlich ändern, das ist hochgradig lächerlich. Gerade fallen mir zwei so Fälle ein. Nein, dafür muß man schon wegziehen. Ich könnte das ja mal für kurze Zeit in Kanada versuchen. Die werden meinen echten Namen ja eh nicht sagen können. Es wäre mal ein interessanter Selbstversuch. Testen wer ich sein könnte, mit anderem Namen. Wer würde ich werden? Ich könnte das noch steigern, zum Beispiel indem ich bloß noch Röcke und Kleider trüge. Ha! Ich glaube das wäre lustig. Bloß, daß mir Birger, Yvonne, Constance und Sven (alle alle zieht es nach Kanada...) vermutlich einen Vogel zeigen würden, egal wie klangvoll mein neuer, international gängiger Name auch wäre. Ein Grund, sich von den allen fern zu halten? Wer weiß...
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