Donnerstag, 16. Juli 2009

Auf der Sesamstrasse zur Hölle

Im Haus neben dem Kino wohnen zwei kleine Kinder, ein etwa 4jähriges Mädchen und ihr unwesentlich älterer Bruder. Diese unbestreitbar noch sehr kleinen Kinder werden gern und lange sich selbst überlassen, sie spielen dann unten auf der Strasse, die an der Stelle zwar eine Sackgasse mit relativ wenig Autoverkehr ist. Aber 25m weiter ist eine vierspurige Hauptverkehrsader. Auch könnte man überlegen, ob Kinder dieser Altersklasse überhaupt länger irgendwo unbeaufsichtigt rumhüpfen sollten. Die dazugehörige Familie sieht das aber scheinbar anders. Ich hab noch nie einen Erwachsenen bei ihnen gesehen. Daß es aber eine Mutter geben muß weiß ich vor allem deshalb, weil die Kleine ständig heulend und schreiend vor der Türe steht und quäkt, daß sie doch bitte reinwolle. Minutenlang - lange Minuten! - steht sie da, stampft die Füße, brüllt nach ihrer Mama und klingt wie angestochen. Was die Mutter nur wenig zu beeindrucken scheint. Das Kind brüllt Zeter und Mordio und macht die gesammte Umgebung wuschig, aber die Frau Mama scheint aus irgendeinem Prinzip nicht auf den Höllenterror zu reagieren. Meine Weltsicht erfordert, daß ich das für einen gutgemeinten wenn auch offensichtlich verunglückten Erziehungsversuch halten muß. Schließlich kann man ein so winziges Kind nicht einfach so stehen lassen! Ihr Bruder ist übrigens mit einem ähnlich enervierenden Organ ausgestattet, bloß heult der nicht mehr, er ist wohl Kummer schon gewohnt und ruft bloß mantraartig "Mama! Mama!"
Die Kinder in unserem Viertel sind kleine Wilde, die nicht richtig sprechen können und um die sich scheinbar nie jemand kümmert. Klar, das gilt nicht für alle. Aber es ist schon erschreckend wieviele einzelne Grundschüler einem abends um elf noch auf der Straße begegnen - vornehmlich wirklich einzeln, will sagen: ohne Erwachsenen weit und breit. Wollte ich ein Kind klauen, ich wüßte wohin ich käme!
Gleichzeitig sind sie oft so aufmersamkeitsbedürftig! Ich habe zum Beispiel mal einem kleinen Jungen gesagt, er solle warten und noch nicht über die Strasse laufen, und das Ergebnis war, daß dieser Achtjährige mir wie ein Wasserfall Sachen erzählte, von der Schule und über die Tauben auf der Strasse. Und er lief mir fast bis zur Arbeit hinterher. Ich hatte den Eindruck als sei ich der erste Erwachsenen seit langem, der auch nur den Hauch von Interesse an ihm gezeigt hat. Das ist alles ziemlich traurig, ganz egal wie sehr mir diese Gören und ihr Geschrei bisweilen auf den Geist gehen.

Während ich das schreibe versucht sich ein Marienkäfer in meiner Schreibtischlampe das Leben zu nehmen. Was für eine Art Omen ist das denn??

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