Einen Tag später sieht's quasi aus wie gestern. Ich (wir!) üben uns in Geduld, etwas womit ich von Natur eher nicht so gesegnet bin. Aber es bleibt einem nichts anderes übrig, so banal das auch klingen mag.
Da ich schon immer ein Fluchttier war, und nicht ausgerechnet in Zeiten der größeren Not von diesem Muster lasse kann habe ich die letzten fünf Abende wahlweise im Kino, in der Kneipe, beim unvermeidlichen Fußballgucken in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen und an verschiedenen Orten sowie auf einem Konzert (Gaslight Anthem! Fabelhaft. Ich sollte mal in mich gehen und erforschen warum es quasi nichts gibt, was mich so glücklich macht wie ien gutes Konzert....) verbracht um nicht allein zu Hause sitze und allzuviel nachdenken zu müssen. Heute sollte es aber mal soweit sein, denn Verdrängung hilft hier nicht wirklich. Ich glaube ich muß mich mal mehr damit auseinandersetzen um besser für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Das alles nimmt noch lange kein Ende, und es ist emotional extrem anstrengend. Es zerrt an den Nerven und Kräften und macht mich fahrig, dünnhäutig, müde und ungeduldig.
Also bleibe ich zu Hause und lasse zu was eben passiert in meinem Kopf. Mal sehen.
Samstag, 28. Juni 2008
Freitag, 27. Juni 2008
27.06.2008, Freitag
Ich hab diesen Blog ja mal nach einem Stars-Song benannt, auch darum, weil ich oft in letzter Zeit das Gefühl hatte die Dinge könnten eigentlich nur besser werden.
Daß sie auch schlechter werden können beweist die laufende Woche. Letzten Donnerstag mußte meine Mutter sich einer schweren Krebsoperation unterziehen. Sie ist seit einem halben Jahr krank, die vorhergehende Therapie aus Bestrahlung und Chemo war schon furchtbar genug. Mehrere Wochen mußte sie in einem der übelsten Krankenhäuser die ich je gesehen habe verbringen, vor allem deshalb weil sie völlig aufgezerrt und fast dehydriert war. Die Nebenwirkungen der Therapien machten es ihr zeitweise unmöglich auch nur einen Schluck Wasser bei sich zu behalten. Es war erschreckend und unglaublich traaurig. Es gab diesen Tag an dem ich sie waschen und anziehen musste und immer nur dachte: dafür ist es doch noch zu früh! Dafür sind wir beide noch nicht alt genug.
Jetzt also die Operation die den Tumor entfernen und unser Leben langsam wieder Richtung Normalität führen sollte. Die Operation verlief nach Angaben der Ärzte auch gut. Ich habe sie Freitags besucht, sie war guter Dinge und den Umständen entsprechend (fürchterliche Flosskel!) fit. Samstag bekam sie dann Fieber und mußte mit einer großen Atemmaske versorgt werden. Sonntag war ich nicht bei ihr , aber das Fieber war so hoch daß sie eine leichte Form des Delieriums hate, sich die Maske vom Gesicht reißen wollte und meinen armen Vater anflehte sie mitzunehmen. Sie wurde an ihrem Bett fixiert um sic selbst nichts zu tun. Das war vormittags. Nachmittags schien es ihr besser zu gehen, sie sprach mit meiner Schwester über Fußball.
Montagmorgen rief mich mein Vater an und bat mich sofort in die Klinik zu kommen. Ihr Zustand sei sehr kritisch "Reden wir vom sterben?" fragte ich meinen aufgelösten Vater und er sagte dem sei wohl so. Ich fuhr also los mich von meiner eigenen Mutter verabschieden, was ein extrem surreales Gefühl war. Sie überlebte den Tag, die Aussagen der Ärzte waren verwirren, lassen sich aber in etwa so zusammenfassen: septischer Schock als Folge von extrem vielen Bakterien im Blut. In Entzündung quasi aller Organe mit hohem Fieber ist die Folge. Getan werden kann in solchen Fällen wenig. Es werden Antibiotika auf gut glück gegeben, den den Keim genau bestimmen konnte man nicht. Sie wurde intubiert und ruhiggestellt. Ihr Krankenzimmer glich einem hochtechnisierten Raumschiff und da standen wir nun an ihrem Bett, mein Vater sprach eine Art Totengebet, alle heulten und alles in dem Raum pieste, leuchtete und roch merkwürdig.
Dienstag nacht riefen sie meinen Vater, er müße kommen, es sei nicht sicher ob sie noch leben würde wenn er da wäre. Ein Herzinfarkt wohl, oder zumindest ein "schwerer Vorfall am Herzen" - man muß Ärzte lieben für solche Erklärungen. Eine weitere, kleine OP folgte von der man keinesfalls sicher war, daß sie sie in ihrem Zusand überstehen könne. Tat sie aber. Sie ist ein zähes Mädchen, mehr als ich das je erlebt hätte. Das Fieber begann zu sinken. Vorgestern war erstmals vorsichtig die Rede von leichter Besserung (solche Aussagen beginnen sicherheitshalber aber immer mit "Sie ist sehr schwer krank, aber..."). Dieser stabile allerdings bewußtlose Zustand galt in den letzten zwei Tagen. Und eben -und so kommen wir endlich zurück zum Titel meines Blogs- schickt mein Vater eine Nachricht daß sie kurz die Augen geöffnet hätte und er sich sicher sei sie habe ihn erkannt und sich gefreut ihn zu sehen. Ein guter Tag also. Der beste seit ewig. Ich habe ein bißchen Angst mir zuviel Hoffnungen zu machen aber ich kann nicht anders als furchtbar erleichtert zu sein. Ich habe lächerlich gigantische Mengen an Tränen vergossen in den letzten Tage, und eben auch. Aber aus Freude und Erleichterung. Was etwas völlig anderes ist. Und besser..
Daß sie auch schlechter werden können beweist die laufende Woche. Letzten Donnerstag mußte meine Mutter sich einer schweren Krebsoperation unterziehen. Sie ist seit einem halben Jahr krank, die vorhergehende Therapie aus Bestrahlung und Chemo war schon furchtbar genug. Mehrere Wochen mußte sie in einem der übelsten Krankenhäuser die ich je gesehen habe verbringen, vor allem deshalb weil sie völlig aufgezerrt und fast dehydriert war. Die Nebenwirkungen der Therapien machten es ihr zeitweise unmöglich auch nur einen Schluck Wasser bei sich zu behalten. Es war erschreckend und unglaublich traaurig. Es gab diesen Tag an dem ich sie waschen und anziehen musste und immer nur dachte: dafür ist es doch noch zu früh! Dafür sind wir beide noch nicht alt genug.
Jetzt also die Operation die den Tumor entfernen und unser Leben langsam wieder Richtung Normalität führen sollte. Die Operation verlief nach Angaben der Ärzte auch gut. Ich habe sie Freitags besucht, sie war guter Dinge und den Umständen entsprechend (fürchterliche Flosskel!) fit. Samstag bekam sie dann Fieber und mußte mit einer großen Atemmaske versorgt werden. Sonntag war ich nicht bei ihr , aber das Fieber war so hoch daß sie eine leichte Form des Delieriums hate, sich die Maske vom Gesicht reißen wollte und meinen armen Vater anflehte sie mitzunehmen. Sie wurde an ihrem Bett fixiert um sic selbst nichts zu tun. Das war vormittags. Nachmittags schien es ihr besser zu gehen, sie sprach mit meiner Schwester über Fußball.
Montagmorgen rief mich mein Vater an und bat mich sofort in die Klinik zu kommen. Ihr Zustand sei sehr kritisch "Reden wir vom sterben?" fragte ich meinen aufgelösten Vater und er sagte dem sei wohl so. Ich fuhr also los mich von meiner eigenen Mutter verabschieden, was ein extrem surreales Gefühl war. Sie überlebte den Tag, die Aussagen der Ärzte waren verwirren, lassen sich aber in etwa so zusammenfassen: septischer Schock als Folge von extrem vielen Bakterien im Blut. In Entzündung quasi aller Organe mit hohem Fieber ist die Folge. Getan werden kann in solchen Fällen wenig. Es werden Antibiotika auf gut glück gegeben, den den Keim genau bestimmen konnte man nicht. Sie wurde intubiert und ruhiggestellt. Ihr Krankenzimmer glich einem hochtechnisierten Raumschiff und da standen wir nun an ihrem Bett, mein Vater sprach eine Art Totengebet, alle heulten und alles in dem Raum pieste, leuchtete und roch merkwürdig.
Dienstag nacht riefen sie meinen Vater, er müße kommen, es sei nicht sicher ob sie noch leben würde wenn er da wäre. Ein Herzinfarkt wohl, oder zumindest ein "schwerer Vorfall am Herzen" - man muß Ärzte lieben für solche Erklärungen. Eine weitere, kleine OP folgte von der man keinesfalls sicher war, daß sie sie in ihrem Zusand überstehen könne. Tat sie aber. Sie ist ein zähes Mädchen, mehr als ich das je erlebt hätte. Das Fieber begann zu sinken. Vorgestern war erstmals vorsichtig die Rede von leichter Besserung (solche Aussagen beginnen sicherheitshalber aber immer mit "Sie ist sehr schwer krank, aber..."). Dieser stabile allerdings bewußtlose Zustand galt in den letzten zwei Tagen. Und eben -und so kommen wir endlich zurück zum Titel meines Blogs- schickt mein Vater eine Nachricht daß sie kurz die Augen geöffnet hätte und er sich sicher sei sie habe ihn erkannt und sich gefreut ihn zu sehen. Ein guter Tag also. Der beste seit ewig. Ich habe ein bißchen Angst mir zuviel Hoffnungen zu machen aber ich kann nicht anders als furchtbar erleichtert zu sein. Ich habe lächerlich gigantische Mengen an Tränen vergossen in den letzten Tage, und eben auch. Aber aus Freude und Erleichterung. Was etwas völlig anderes ist. Und besser..
Sonntag, 1. Juni 2008
Vergissmeinnicht
Ich habe Blumen gesät. Das ist eine passende Beschäftigung für einen Sonntagvormittag, überhaupt habe ich in den letzten Jahren eine verstärkte Begeisterung für Pflanzen und für's pflanzen entwickelt. Es ist irgendwie beruhigend. Beunruhigend ist es, das an sich festzustellen. Man kommt sich wenig cool, wenig jung-dynamisch vor, eher hausmütterlich. Welche Lifestyleolizisten haben mir wohl dieses Gefühl eingeflüstert? Ich wohne unter dem Dach und habe vor meinen Fenstern ca 1qm Platz für Pflanzen. Hinten kann ich auch draußen sitzen, quasi auf dem Dach, vorn habe ich Erdbeeren und Kakteen und Pflanzen deren Namen ich nicht kenne. Ich habe in diesem Jahr schon fünf eigenen Erdbeeren gegessen von denen zwei aus Gründen unzähmbarer Ungedult noch völlig sauer waren, und habe mich gefreut wie doof. Also muß ich mich wohl damit abfinden eine gewisse Speißgkeit zu entwickeln die mir Spaß macht.
Abonnieren
Kommentare (Atom)