Freitag, 27. Juni 2008

27.06.2008, Freitag

Ich hab diesen Blog ja mal nach einem Stars-Song benannt, auch darum, weil ich oft in letzter Zeit das Gefühl hatte die Dinge könnten eigentlich nur besser werden.
Daß sie auch schlechter werden können beweist die laufende Woche. Letzten Donnerstag mußte meine Mutter sich einer schweren Krebsoperation unterziehen. Sie ist seit einem halben Jahr krank, die vorhergehende Therapie aus Bestrahlung und Chemo war schon furchtbar genug. Mehrere Wochen mußte sie in einem der übelsten Krankenhäuser die ich je gesehen habe verbringen, vor allem deshalb weil sie völlig aufgezerrt und fast dehydriert war. Die Nebenwirkungen der Therapien machten es ihr zeitweise unmöglich auch nur einen Schluck Wasser bei sich zu behalten. Es war erschreckend und unglaublich traaurig. Es gab diesen Tag an dem ich sie waschen und anziehen musste und immer nur dachte: dafür ist es doch noch zu früh! Dafür sind wir beide noch nicht alt genug.
Jetzt also die Operation die den Tumor entfernen und unser Leben langsam wieder Richtung Normalität führen sollte. Die Operation verlief nach Angaben der Ärzte auch gut. Ich habe sie Freitags besucht, sie war guter Dinge und den Umständen entsprechend (fürchterliche Flosskel!) fit. Samstag bekam sie dann Fieber und mußte mit einer großen Atemmaske versorgt werden. Sonntag war ich nicht bei ihr , aber das Fieber war so hoch daß sie eine leichte Form des Delieriums hate, sich die Maske vom Gesicht reißen wollte und meinen armen Vater anflehte sie mitzunehmen. Sie wurde an ihrem Bett fixiert um sic selbst nichts zu tun. Das war vormittags. Nachmittags schien es ihr besser zu gehen, sie sprach mit meiner Schwester über Fußball.
Montagmorgen rief mich mein Vater an und bat mich sofort in die Klinik zu kommen. Ihr Zustand sei sehr kritisch "Reden wir vom sterben?" fragte ich meinen aufgelösten Vater und er sagte dem sei wohl so. Ich fuhr also los mich von meiner eigenen Mutter verabschieden, was ein extrem surreales Gefühl war. Sie überlebte den Tag, die Aussagen der Ärzte waren verwirren, lassen sich aber in etwa so zusammenfassen: septischer Schock als Folge von extrem vielen Bakterien im Blut. In Entzündung quasi aller Organe mit hohem Fieber ist die Folge. Getan werden kann in solchen Fällen wenig. Es werden Antibiotika auf gut glück gegeben, den den Keim genau bestimmen konnte man nicht. Sie wurde intubiert und ruhiggestellt. Ihr Krankenzimmer glich einem hochtechnisierten Raumschiff und da standen wir nun an ihrem Bett, mein Vater sprach eine Art Totengebet, alle heulten und alles in dem Raum pieste, leuchtete und roch merkwürdig.
Dienstag nacht riefen sie meinen Vater, er müße kommen, es sei nicht sicher ob sie noch leben würde wenn er da wäre. Ein Herzinfarkt wohl, oder zumindest ein "schwerer Vorfall am Herzen" - man muß Ärzte lieben für solche Erklärungen. Eine weitere, kleine OP folgte von der man keinesfalls sicher war, daß sie sie in ihrem Zusand überstehen könne. Tat sie aber. Sie ist ein zähes Mädchen, mehr als ich das je erlebt hätte. Das Fieber begann zu sinken. Vorgestern war erstmals vorsichtig die Rede von leichter Besserung (solche Aussagen beginnen sicherheitshalber aber immer mit "Sie ist sehr schwer krank, aber..."). Dieser stabile allerdings bewußtlose Zustand galt in den letzten zwei Tagen. Und eben -und so kommen wir endlich zurück zum Titel meines Blogs- schickt mein Vater eine Nachricht daß sie kurz die Augen geöffnet hätte und er sich sicher sei sie habe ihn erkannt und sich gefreut ihn zu sehen. Ein guter Tag also. Der beste seit ewig. Ich habe ein bißchen Angst mir zuviel Hoffnungen zu machen aber ich kann nicht anders als furchtbar erleichtert zu sein. Ich habe lächerlich gigantische Mengen an Tränen vergossen in den letzten Tage, und eben auch. Aber aus Freude und Erleichterung. Was etwas völlig anderes ist. Und besser..

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