Als ich gestern in der Buchhandlung war um endlich "Schuld und Sühne" zu kaufen traf ich auf Christoph. Wann immer ich zufällig auf ihn treffe ist es in der Klassikerabteilung einer Buchhandlung. Es gibt schlechtere Orte. Er fragte mich ob wir noch einen Kaffee zusammen trinken könnten. Das taten wir. Es war schön. Ich mag ihn, vor allem weil er so klug ist. Und mittlerweile habe ich das Gefühl ihn zu durchschauen. Er spielt die Rolle des Intellektuellen mit geradezu kindlichem Enthusiasmus. Er ist schlau, aber er ist auch noch sehr jung. Ich weiß nicht woran es liegt, aber ich glaube ich habe eine gesunde Distanz zu ihm entwickelt.
Die Ironie in diesem zufälligen Treffen just gestern lag aber nun darin, daß ich mit Andrea verabredet war, für eine weitere Lesung am Abend. Und daß sie ihn gefragt hatte, ob er nicht mitkommen wolle. Als wir uns vor dem Café verabschiedeten sagte ich ihm er solle ihr Bescheid sagen. Ich war mir sicher er würde nicht kommen. Tat er aberdoch. Ich war ehrlich überrascht.
Tatsächlich ist es wohl so, daß Andrea einen noch größere Schwäche für ihn hat als ich. Sie kann sich das nur nicht wirklich eingestehen, weil er in so einigem ihrern Maßstäbe nicht genügt. Aber es ist so offensichtlich. Sie versucht ihn immer ein bißchen mir anzudrehen um davon abzulenken. Als er gestern verkündete er werde gleich kommen sagte sie zum Beispiel, darauf könne ich mir was einbilden und das sei doch "bezeichnend". Vielleicht ist sie ein bißchen neidisch, weil zwischen uns immerhin schon mal was gelaufen ist. Weil ich nicht so verkrampft bin? Keine Ahnung. WIr haben uns ziemlich gut unterhalten, alle. Zum Beispiel über Religion, oder unseren persönlichen Mangel dieser. Ich hatte einen schönen Abend, auch wenn die Lesung - Dond und Daniel lasen Hildesheimer - schon wieder extrem anstrengend war. Wir haben uns zur Pause zurück gezogen. Und ich hab mich auch immer mal wieder von den beiden entfernt. Ihnen (ihr!) Gelegenheit gegeben für etwaige Übergriffe. Die nicht erfolgten. Natürlich nicht. Einfach nur mal Spaß haben ist Andreas Sache nicht, leider. Bei den beiden lief also nix, statt dessen wurde ich ein bißchen begrabbelt. Ein bißchen zum Lachen, das alles.
An einer Straßenecke trennten wir uns schließlich, ich ließ sie zusammen heimlaufen und konnte mich eines dezenten Grinsens nicht erwehren. Ich bin froh, daß ich wohl über die Phase weg bin, in der ich jede noch so erbärmliche Gelegenheit zum Knutschen etc wahrnahm. Jetzt bin ich nur gespannt ob und wie es weitergeht. Ob ich was von ihm höre. Oder sie. Oder wir beide. Und was. Denn natürlich sagten wir wieder alle wie nett es gewesen sei, und daß wir das auf jeden Fall wiederholen müßten. Ich glaub da ja nicht so recht daran. Vermurlich seh ich ihn erst wieder, wenn es uns wieder beide in den Buchhandel verschlägt. Und bei mir liegen da 700 Seiten Dostojevski dazwischen. Oder Silvester. Übrigens habe ich mein traumatischtes Silvester mit Christoph erlebt. Aber das ist eine lange, komplizierte Geschichte die ich hier jetzt nicht erzählen werde. Vielleicht zu Ehren ihres zweiten Jahrestages im Dezember...
Nebenbei bemerkt liebe ich Rival Schools, und die sollen bitte endlich, endlich das angekündigte Album rausbringen! Ich höre immer "United by Fate". Das ist ein Album für die sprichwörtliche Insel, und welches einzige Album einer Band erreicht schon diesen Status? Mir fällt höchstens noch "Read Music/Speak Spanish" von Conor Obersts Nebenband Desaparecidos ein. Und das ist nicht gar ganz so fabelhaft.
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