Ich war tatsächlich nicht in der Bar, das ganze Wochenende nicht. Sicherlich hat er mich vermisst und ihm ist endlich aufgegangen, daß ich die einzig wahre Frau für ihn bin. Sicherlich gewinne ich bald im Lotto.
Vor einiger Zeit war ich bei einer Lesung. Ein Freund von mir veranstaltet eine Kleinkunstreihe und an jenem Abend lasen zwei Menschen. Einer ein lokal leidlich bekannt- und beliebter Musiker, so'n Singer/Songwriter-Typ. Der andere sein Freund oder Bekannter, im täglichen Leben wohl Journalist ("überregional!", wie er mit einigem Stolz in den Augen verkündete) und im Hobbykeller als Literat unterwegs. Beide lasen sie selbstverfasste Kurzgeschichten. Die des Sängers schlicht, gradlinig, nicht nobelpreisverdächtig aber unterhaltsam. Die des Journalisten verschwurbelt, sinnfrei, gespikt mit Obszönitäten die sehr sehr gewollt wirkten und alles in allem wohl einfach nicht gut. Das war sehr bald jedem im Raum klar, ihn nicht ausgenommen und was folgte war ein Paradebeispiel für eine fremdschämwürdige Situation! Abgesehen davon, daß sein Zeug inhaltlich mies war war der Vortrag unterirdisch. Man sollte sich wohl schon die Zeit nehmen und seine Texte ein paar Mal laut lesen bevor man damit andere beglücken möchte. Vielleicht auch ein paar Mal mehr. Er machte den Eindruck das alles nie gesehen, nie gelesen und nicht mehr als sein aufgeschmissenes Publikum verstanden zu haben. Je weiter der quälende Abend vorranschritt desto betrunkener wurde er, was selbstredend nichts besser machte. Alle litten. Der Sänger, der Journalist, sämtliche Zuhörer, das Personal. Und immer machte die gerade vorgetragene Geschichte noch eine unnötige Wendung, nahm noch einen Drehung und einfach kein Ende. Mir war das körperlich unangenehm. Ich wollte auch ein Bier! Dabei wollte ich eigentlich keins. Ich habe bis zum Ende durchgehalten, anders als viele andere Gäste. Dieser ganze desaströse Abend ließ mich schaudern. Und mich wundern wie es zu so etwas kommt? Völlig Fehlselbsteinschätzung? Glaubte der, er sei gut? Welchen Schluß zieht man daraus? Ich stelle mir immer vor ich gehe irgendwann mal raus mit etwas, das mir am Herzen liegt. Und dann passiert sowas. Die andere, optimistischere Lehre wäre die: wenn so jemand mit so etwas eine Plarrform findet und nicht mit Eiern beworfen wird könnte man es wahrlich auch versuchen. Zwischen diesen beiden Extremen bin ich unentschieden. Ich bin leider jemand, der zwischen Größenwahn und Selbsthaß nie die Ausfahrt zum gesunden Maß findet, nie vernünftig einschätzen kann wo er steht....
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