Ich habe "Zeiten des Aufruhrs" geguckt und sehr gut gefunden. Irgendwie beklemmend. Es geht um die Krise einer jungen Ehe im Amerika der 1950er Jahre, Leonardo DiCaprio und Kate Winslet spielen die Hauptrollen, Frau Winslet bekam den Golden Globe dafür. Durchaus zu Recht. Wollte man eine Überschrift für den Film finden, es wäre wohl: Beim Versuch gescheitert. Kollossal gescheitert in Beziehung und Leben. Keine offensichtlichen Fehler, nichts wo man sagen möchte: das könnte mir nicht passieren. De facto passiert überhaupt nichts, nichts Greifbares. Das Drama findet in ihren Köpfen statt, in Gedanken die sie nicht abstellen können, die um enttäuschte Erwartungen kreisen und eine abweichende Selbstwahrnehmung. Und die Furcht, daß das schon alles gewesen sein könnte, diese "Nichts" - so nachvollziehbar! Man kann ihn verstehen und ihr Tun nachvollziehen. Man erkennt diese Falle so vollkommen. Und es ist völlig klar, daß sie doch nicht herausfinden. Man will gar nicht glauben, daß sie schuldlos in dieses Schlammassel geraten sind, aber was will man ihnen vorwerfen? Es scheint als seien sie nur für Sekunden unachtsam gewesen und schon ist ihnen ihr Leben so total entglitten. Oder eigentlich ist es ihr Glück, ihr Traum an dem sie nicht festhalten konnten. Ein normal "funktionierendes" Leben kann einen zutiefst unglücklich sein lassen und niemand soll behaupten, das sei eine überspannte Spinnerei so zu empfinden.
Ich glaube der Film, 1955 spielend, funktioniert auch heute so gut, weil seine Protagonisten an ihrem eigenen Anspruch scheitern ein aufregendes, "besonderes" Leben zu führen. Das ist ja eine extrem relevante Thematik. In unserer Gesellschaft werden Erwartungen und Wünsche geweckt die man sich oft nicht erfüllen kann. Dazu kommt noch der Druck von außen, denn heute gilt man, zumindest in bestimmten Umfeldern, ja schnell als spießig - und das gilt als das ultimative Schimpfwort! - wenn man die ganz normale Familienlebensform wählt mit Heirat, Kindern und ohne exaltierten Auslandsjob. Vielleicht übertreibe ich. Aber ich glaube tatsächlich, daß all die Möglichkeiten die einem zumindest theoretisch offen stehen einem es bisweilen schwer machen, sich zu entscheiden und zufrieden zu werden. Natürlich sind das Luxusprobleme, aber das Wissen darum läßt einen gleich nochmal bedrückter sein... Das Leben in einer Wohlstandsgesellschaft scheint eine Menge dummer Neurosen mit sich zu bringen...
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