
Ich war mal Spielerfrau. Birger, heute mein guter, damals mein "fester" Freund spielt seit Kindertagen Handball. Früher war ich oft bei Spielen und am Samstag mal wieder. Nach sechs oder sieben Jahren.
Sport auf dieser Ebene - wir sprechen von der Kreisliga - ist speziell. Zum Beispiel das gegnerische Team: Tabellenführer, nach Birgers Aussage. Lauter Jungspunde mit einem gigantischen Fantross im Schlepptau - die Mamis, die just der Pubertät entwachsenen Freundinnen, einige jüngere Geschwister und sogar Omas. Sie wärmten sich synchron auf und klatschten dabei rhythmisch in die Hände. Vielleicht dachten sie sie seien die Rugby Nationalmannschaft von Neuseeland die vor den Matches immer traditionelle Maori-Tänze aufführt, mit Geschrei und Brimborium? Um sich aufzuputschen hatten sie einen Ghettoblaster dabei - mit Rihanna an die Spitze... Ihre Fans sollten später ununterbrochen auf eine Tommel eindreschen, weniger rhythmisch als das Geklatsche, und nervtötend. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl davon Herzrythmusstörungen zu bekommen, denn eine Ausziehtribüne in einer Schulturnhalle (nebenbei bemerkt: die Turnhalle der Schule an der ich einst mein Abitur machte...) ist ein prima Resonanzkörper. Mir kam der Verdacht, daß die ihre Gegner (und deren Zuschauer) schlicht in den Wahnsinn trieben um aufzusteigen.
TV Eintracht dagegen - in ihrem traditionellen Schluff viel angenehmer. Denn mal ehrlich: das hier ist zwar Sport, und da geht es immer ums gewinnen, aber so zu tun als stünde man nur drei Siege vor dem Profidasein ist da einfach albern und unangebracht. Es wirkt lächerlich. "Mein" Team also, uneinheitlich gekleidet, uneinheitlich in der Auswahl der Auffärmübungen, einigermaßen einheitlich im Alter - mindestens Mittelalt, höchst uneinheitlich in der Leistungstärke. Natürlich haben sie verloren. Trotzdem hatte man fast den Eindruck sie hätten mehr Spaß gehabt.
Und sowas gibt es in quasi jeder Turnhalle, in jeder Stadt, an jedem Wochenende. Es gibt richtige Handballfamilien (natürlich gilt das wohl auch für Fußball, Volleyball und Taschenhalma, aber ich bin nur mit einem Handballer zusammen gewesen...) mit Kindern die da aufwachsen. Deren Tradition es eben ist, die Wochenenden in miefigen Sporthallen zu verbringen, Cola für einen Euro zu kaufen, über die dicksten Schiedsrichter der Welt zu staunen und sich über unfähige Kreisläufer bzw Trainer aufzuregen. Eine faszinierende, mir völlig fremde Welt. Wir waren Sonntags im Museum als ich klein war...
Wenn Birger nach Kanada geht war es das mit ihm und dem TV Eintracht, nach mehr als 20 Jahren. Kann man sich das vorstellen? Zwanzig Jahre im gleichen Verein und noch nichtmal 30 Jahre alt? Und nun macht er Schluß mit Handball, das man in ganz Nordamerika quasi nicht kennt. So bleibt ihm zumindest die zweite Mannschaft erspart, dieses obskure Sammelsurium aus Halbinvaliden, Übergewichtigen und einfach wirklich alten Männern in zu engen Trikots. Die aber auch mehr Spaß haben als die Kreisligaführenden...
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