Mittwoch, 29. Oktober 2008

Eine Katze aus der Hölle


Eben war ich bei Birger, um an der Seite zu arbeiten. Seine Mit- bewohn- erin hat eine hübsche Katze, die den übelen Namen Special trägt. Und eine Vollmeise hat - so schlimm, daß sie, würde man ihr sagen, daß sie eine Meise hat, sie würde ihren eigenen Kopf angreifen.
Dieses Tier ist der Beweis für die These, daß es Tieren nicht guttut, wenn man keine Zeit für es hat. Auch keiner Katze, egal wie selbstständig diese Viehcher auch sein mögen. Birger und die Katzenherrin verstehen sich nicht besonders gut, also hält sie sich meist fern, bleibt bei ihrem Freund und arbeitet ungefähr immer. Die Psychokatze mit dem Teufelsblick bleibt allein, oder, wenn er zu Hause ist, in Birgers Obhut. Auch diese beiden verstehen sich nicht so glänzend. Ich glaube, daß der arme Special nicht soo viel dafür kann, daß er so verrückt ist. Erstens ist er dumm, zweitens ist er fast blind, was ihn bisweilen seltsam reagieren läßt (und was dem auch etwas dummen Mädel wohl bisher nicht aufgefallen ist... Wie auch:) drittens ist er erst seit einigen Monaten ein Kater. Er hatte ein Genderproblem. Seinem Frauchen ist das ganze erste Jahr, daß sie ihn hatte nicht aufgefallen, daß es sich nicht um eine Katze sondern um einen gut ausgestatteten Kater handelt. Das finde ich erstaunlich, denn sobald die beiden bei Birger eingezogen waren stank die ganze Wohnung wie ein ungeputzter Löwenkäfig und das wird in ihrer bisherigen Bleibe nicht anders gewesen sein. Auf die an prominenter Stelle hervorstechenden Hoden des jungen Mannes angesprochen meinte sie - und das ist jetzt kein Witz, leider - sie habe gedacht, daß seien ihre zugegeben großen Schamlippen. Special ( der von Birger immer nur "das Vieh" und von mir gerne Spezi genannt wird weil er ihn nicht mag und ich zumindest seinen angedachten Namen nicht. Ein Glück für ihn, daß Madame einen zumindest geschlechtslosen dämlichen Namen ausgesucht hat) überstand nur eine knappe Woche als ganzer Mann in der neuen Wohnung weil jedem sofort klar war, daß da ein eklatanter Fehler vorlag. Er verlor einen Großteil seiner frisch entdeckten Männlichkeit in der sterilen Umgebung einer Tierarztpraxis. Armer Kerl. Als eine weitere spezielle Macke unseres kleinen Lieblings wurde angeführt, daß er nicht in der Lage sei, aus einer Schüssel zu trinken. Er wolle nur fließendes Wasser hieß es. Was bedeutete, daß das arme Tier dursten musste solange keiner da war. Oder daß man die ganze Zeit einen Wasserhahn laufen ließ. Schlechter Plan. Birger hat ihm in ein paar wenigen Wochen beigebracht, auch aus Schüsseln zu trinken. Indem er ihm einfach eine hinstellte. Genialer Plan. An seinem grundsätzlicher meschuggenen Zustand ändert aber auch das nichts, seine Verstörtheit war wohl nicht nur auf die ständige Austrocknung zurück zu führen. Und heute abend nun beschloß die Katze, die einen immer anstarrt als sei sie vom Teufel besessen, einen Krallenkampf mit einem Beutel Katzenstreu auszutragen. Sie eröffnete quasi ein Zweitklo für sich, in der Mitte des Badezimmers. Ein Bild davon sehen sie hier. Das dumme Vieh spinnt. Auch toll: er greift einen an. Aus dem Nichts. An meiner linken Hand trage ich ein Pflaster. Vielen Dank. Er ist wie ein amerikanischer Soapdarsteller: nichts als hübsche Fassade...

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