Freitag, 26. September 2008

Miss Wyoming

Heute morgen habe ich mein linkes Bein rasiert. Ich konnte es nicht mehr aushalten. Ich bin oberflächlich. Und eitel. Aber das ging mal gar nicht mehr. Resultate meines Experiments:
1. in 12 Tage wachse meine Beinhaare auf etwa 1cm. Es ist nicht eben hübsch 1cm lange Haare am Bein zu haben, auch wenn Mutter Natur sich das so ausgedacht hat.
2. ich muß aber gestehen, daß es meinem Bein, der Haut an meinem Bein besser geht mit weniger rasieren. Meine Haut juckte weniger, was schon gut war. Denn meine Beine jucken bekanntlich viel. Sehr viel. Meine ganze Haut juckt. Überall. Am jucken merke ich, daß ich am Leben bin.

Mittwoch, 24. September 2008

"Whistle Blowers Gotta Get Out of School"

Constance ist da. Das ist "das Kanada-Mädchen". Die Dame deretwegen mein liebster Freund Birger 2009 nach Victoria, British Columbia ziehen wird. Ich wußte, daß sie dieser Tage zu Besuch kommen sollte, aber ich wurde jetzt doch ein wenig überrascht. Tadaa, da ist sie...
Sie ist schon nett. Aber natürlich sehen sie alle an als die Böse, die uns unseren Freund entführt. Ich selbst sehe in ihr auch sowas wie eine etwaige Chance. Wie gesagt: ich will immernoch dieses Visum, sie ist mein Kontakt da. Sie brachte mir Geschenke mit. Gelee. Tee. Winterzeug. Nett. Ich hab ihr auch was geschenkt, zwei kleine Kästen. Sie bedankte sich überaus überschwenglich. Kanadier sind eben doch auch Amerikaner.
Was ich aber vor allem anstrengend fand: ihr Geturtel. Diese beiden waren unerträglich verliebt, betatschten, kitzelten und flüsterten. Quasi unentwegt. Aus purem Neid und Eifersucht auf's verliebt-sein fand ich das fürchterlich. Und wie schlimm wird es erst für E. sein, seine Ex-Freundin die er mehr oder weniger ihretwegen verließ, mit der er aber immernoch total eng befreundet ist. Im Prinzip sind sie noch ein Paar, ein platonisches halt. Wäre es nach ihr gegangen hätten die sich nicht getrennt. Sie haben jetzt ein Verhältnis, das mir ziemlich suspekt ist. Es geht mich nichts an. Ich weiß. Aber: auch ich war mal mit ihm zusammen, vor E. Ich habe ihn verlassen weil ich ihn irgendwann nicht mehr liebt. Innerhalb einiger Wochen hatte er E. . Er gehört zu den Menschen, die kein Single sein können. Und weil Constance nicht wirklich "verfügbar" ist im Alltag teilt er ihn weiterhin mit E. . Bis das Kanada-Mädchen dann auftaucht. Das ist schon etwas egoistisch, oder?
Man könnte jetzt mutmaßen, ich sei eifersüchtig. Auf Constance oder auchE. . Ich bin es bis zu einem gewissen Grad. Ich mag ihn sehr, und ich brauche ihn für vieles. er bringt oft Ordnung in meinen Kopf. Und er ist es an den ich mich wende wenn ich Hilfe brauche. Wir kennen uns besser als sonstwen. Das ist wertvoll. Ich will nicht mit ihm schlafen. Ich will ihn nicht küssen. Ich will ihn nicht zurück. Aber ich will ihn in meinem Leben. Und es fällt mir schwer ihn los zu lassen. Er ist wichtig für mich. Das ist schon etwas egoistisch. Und ich bemühe mich es nicht zu zeigen. Er soll gücklich sein. Es ist absolut nicht seine Schuld, daß ich es nicht bin. Er verdient es. Ich wünschte nur, er könnte hier glücklich werden. Ist das der Grund warum ich nach Kanada will? Einer. Aber hauptsächlich: was soll ich hier? Kaum etwas hält mich. Und irgendwann muss mal was geschehen.

So. Zu den lustigeren Dingen. Namentlich: meinem linken Bein. Das haaarig ist. Constance fiele angeekelt vom Stuhl. Und ich gebe zu: mein Sinn für Ästhetik ist auch eher neuweltlich geprägt. Es schaudert mich immer ein bißchen wenn ich es ansehe. Wie lange ist es? So 10 Tage? Immernoch erstaunt mich mein unregelmäßiger Haarwuchs. Etwas ekelhaft, alles.
Zu den tollen Dingen: die neue Cold War Kids Platte ist raus. Sollte gekauft werden, weil sie toll. Und der Sänger großartig. Und sie schlicht ziemlich einzigartig sind. Jetzt noch ein paar Euro für TV on the Radio sparen. Dann wird das eine sehr wohlklingende Woche.

Dienstag, 23. September 2008

Die Opfer bei CSI: Miami sind immer weiß und immer reich. Das kann nicht sehr lebensnah sein, oder? Aber keine Sorge, auch die Anwesenheit von Schwarzen und Latinos wird nicht verschwiegen. In jedem Krimi gibt es ja auch Täter.

"Es ist pure Illusion zu glauben, daß Anthropologie ausschließlich theoretisch gelehrt werden kann"

Gerade eben war ich auf News-Seite von IMDB.com Dieses Kürzel steht, falls ihr es nicht wissen solltet, für: Internet MOVIE Data Base. Movie. Film. Das sollte geklärt sein bevor ich mitteile was ich dort las: Knut's Keeper Dead at 44
Es handelt sich bei besagtem Knut nicht um einen Disney Weihnachtself. Oder eine Figur aus einem Spielberg WWII-Drama. Nein, es handelt sich um einen Eisbären. DEN vermaledeiten Eisbären. Auf einer Seite, die sich mit Filmen und Schauspielern von mir aus auch mit Models in Realityshows beschäftigt wird vom Tod des Pflegers eines deutschen Eisbärens berichtet. Warum denn?

"We didn't have no internet/ but man I never will forget/ the way the moonlight shined upon her hair/"

Was ich doof finde am krank sein (vornehmlich am Schnupfen haben): nicht nur, daß man sich beschissen fühlt. Aber dann sieht man auch noch grenz-debil aus, wie man sich da mit dümmlich offen stehendem Mund nach luft schnappend durch die Gegend schleppt. Attraktiv ist das nicht, auch ohne rote, sich pellende Nase nicht.
Ich bin also nicht gänzlich gesund. Das stört meine Arbeitswut wenig. Freitag war ich ausnahmsweise mal an einer anderen Kasse, nämlich der eines Kulturprojektes eines meiner Freunde. Ein gedachter Tanzabend mit "Krimi inspirierter" Musik. Auch die DJs: Freunde. Oder Bekannte. Der eine: meiner liebsten Freundin Freund. An sich sicherlich ganz cool. Bloß kam fast niemand und keiner tanzte zu den Klängen der Tatortmusik. Stattgefunden hat das alles in einer zugigen, ehemaligen Straßenbahnwerkstatt. Zugig + krank = schlecht. Samstag bildete ich mir zwar ein nichts sei zumindest schlechter, wenn es nicht gar minimal besser wäre. Aber wahrscheinlich war das ein Trugschluß. Ich ging also im Kino arbeiten und danach auf eine immens langweilige Party. Von der ich vorher schon wußte, daß sie so sein würde. Warum nur fühlt man sich immer so verpflichtet? Damit man sich dann fehl am Platz fühlen kann? Bedingt das eine Gefühl das andere? Fast kommt es mir so vor.
Ich mische mich schlecht. Ich bin ganz übel im Small Talken. Mich hassen immer alle weil sie denken ich starre sie an und habe merkwürdige Ansichten. Vielleicht stimmt das ja. Aber worüber soll ich mit jemandem reden dessen erster Satz lautet: "Bald ist wieder Top Model!". Wir reden hier von Menschen anfang Dreißig, studiert und situiert wie ich es nie sein werde. Die reden dann von schlechtem Fernsehen und der Anschaffung gigantischer Flachbildschirme für die gemeinsame Wohnung. Oder über deren Ausstattung im Allgemeinen. Darüber, daß "er" natürlich seinen Computer nicht ins Schlafzimmer stellen durfte und"sie" sämtliche Dekoartikel selbst besorgen musste/durfte/sollte. Kann mich mal bitte jemand erschießen?!
Andrea, deren Party das war und die ich gern hab sagt immer: "Ich seh so großes Potential in Dir! Du bist gut, Du wirst Deinen Weg machen!" Liebe Andi, wenn er mich dahin führen soll bleibe ich lieber hier stehen.
Sonntag habe ich meinen Vater-Besuch abgesagt weil ich da mal den ganzen ganzen Tag zu Hause bleiben konnte. Besser wurde aber wenig. Seit gestern bin ich jetzt richtig erkältet. Und ich friere, verdammt. Super wenn einem dann noch der Durchlauferhitzer um die Ohren fliegt während man nackt und erwartungsfroh in seiner Dusche steht. Das ist mir passiert. Frierend und jämmerlich und schniefend stehe ich da und halte den Duschkopf von mir weil bei mir immer erstmal kaltes Wasser läuft als es knallt und blitzt hinter mir. Ich wusste erstmal nicht, ob mir vielleicht nur die Glühbirne durchgeknallt war. Ich konnte mich nämlich auch nicht erinnern ob ich an diesem trüben Morgen zusätzlich Licht gemacht hatte. Ich ließ das warme Wasser am Waschbecken laufen das nicht warm wurde. Das ist relativ eindeutig wie es scheint.
Ich habe aber einen fatalen Hang dazu, ganz sicher zu gehen. Ich geh also zu meinem Sicherungskasten, drücke die Automaten wieder rein die nicht mehr drin sind. Und trete - immer noch nackt - an mein Waschbecken das DIREKT neben besagtem Durchlauferhitzer hängt. Drehe das warme Wasser an. Und werde mit einem weiteren Blitz und Knall belohnt. Ich habe mir trotz Nacktheit nichts versengt. Ich bin bisweilen ein wenig dumm, huh? Aber wie das Sprichwort sagt: das Glück ist mit uns.
Mittlerweile habe ich einen neuen DLH. So, liebe Freunde, lautet nämlich laut des gestern hier gewesenen Gas-Wasserinstallateurs die übliche Abkürzung für besagtes Gerät. Ich weiß auch nicht, ob das eine logische Wahl war. Weiß aber jetzt wofür diese Buchstabenkombo in meinem Sicherungskasten steht. Weiß also mehr als gestern morgen.

Freitag, 19. September 2008

Das Verderben lauert in der Speisekammer.

Es stellte sich gestern die - vermutlich dämliche - Frage nach der Verderblichkeit bestimmter Lebensmittel. Mein Freund Holga wollte keinen Kamillentee trinken der, fest und trocken verschlossen, wohl schon ein paar Jahre in einer Blechdose in einer Schublade herumdümpelte. Er konnte dank fehlender Um-Verpackung kein Mindesthalbarkeitsdatum mehr feststellen. Ich meinte, daß schlimmste was ihm mit dem (eindeutig nicht schimmeligen) Tee wohl passieren könne sei, daß er nach nix mehr schmecke. Holga gestand extrem pingelig zu sein, auch abgelaufene Gewürze nicht aufgrund mangelder Geschmackstärke sondern nur aus Angst vor Vergiftung wegzuschmeißen. Aus Neugier kontrollierten wir daraufhin Salz und Zuckeverpackungen und erstaunlicherweise gab es beim Salz ein MHD, beim Zucker aber nicht? Warum? Beides wird doch zur Haltbarmachung von Speisen benutzt, oder? Was passiert denn, bitteschön, mit altem Salz? Setzen sich da tatsächlich Keime dran fest? Ich kann das kaum glauben. Und hätte ich raten sollen welches von beiden vielleicht schlecht werden könnte - ich hätte vermutlich eher Zucker gesagt. Jetzt sitze ich hier und meine unbefriedigte Neugier, die Frage nach dem "Warum?" macht mir zu schaffen. Ich bin ein Freak. Vielleicht sollte ich der Maus schreiben, meine Handschrift auf kindlich verstellen und mich "Chantal, 7 jaare" nennen.

Mein erwachsenes Ich hat heute erstmals richtig Spaß am Bein-Experiment. Mittlerweile ist der Unterschied immens. Lustigerweise wachsen die Haare an meinem linken Bein höchst ungleichmäßig. Ich habe Haarinseln und Meere von blanker Haut gleichermaßen, bin geradezu gescheckt. Erinnert mich an Jungs die ich kenne die immer sagen sie könnten keinen Bart tragen, sie hätten zu große Löcher in ihrer Gesichtsbehaarung... Ich hab kurz darüber nachgedacht jetzt noch einen drauf zu setzen und mein rasiertes Bein auch noch mit Selbstbräuner zu verschönen. Ein bleiches, haariges, gemeinhin als unattraktiv wahrgenommenes und dann ein glänzend-glattes, knackig gebräuntes Bein! Ein Statement über die innere Zerissenheit junger Frauen im Zeitalter von Schönheitswahn und Individualismuszwang. Hätte ich Kunst studiert, dies wäre meine Abschlußarbeit. Vielleicht.

Mittwoch, 17. September 2008

Kanada liegt in einem Kirschkern vergraben...

Ich habe eine Spardose gebastelt, eine von der Sorte die man nur mehr mit dem Hammer öffnen kann - und auch nur ein Mal. Ich habe das Glas mit Heißkleber verschlossen. Das Zeug ist universiell fabelhaft. Ich habe das Glas (denn ein altes Kirschglas ist es gewesen, aus den Beständen meiner Mutter) rot angestrichen und einen reichlich knappen Schlitz in den Deckel geschnitten. Mein Konstrukt würde sich für's Kinderfernsehen eignen.
Wofür also, dieser lustige Spaß? Nachdem ich Papa erklärt habe, daß die Kanada-Möglichkeit besteht und er ganz ruhig reagierte sollte ich etwas dafür tun. Nächste Woche kommt Constance. Mein Kanada-Kontakt, Birgers Fern-Freundin. Ich werde vermutlich das Geld nicht zusammenkriegen das ich bräuchte, aber versuchen will ich's dann doch. Eine etwas späte Entscheidung. Erstmals drüber nachgedacht habe ich so im Februar. Natürlich könnte ich sagen mir sei da einiges dazwischen gekommen, das eine längerfristige Entscheidung eher schwierig machte. Natürlich, bla bla. Geld beiseite legen hätte ich können. Nun gut. Sehen wir mal, wie weit ich komme mit meinem mit heißester Nadel gestricktem - eigentlich arglos dahin gerotzen Plan. Bloß blöd, daß ich jetzt schon nicht mehr weiß, wieviel Reichtümer ich bisher (in den letzten 7 Tagen) schon angehäuft habe. Die schöne rote Farbe verhindert den Überblick. Ich bin so ein Schlaui, es ist ein Fest..!

Montag, 15. September 2008

Ich hab mich benommen wie ein völliges Arschloch. Bin abgehauen ohne tschüß zu sagen. Es tut mir leid, aber ich kann's nicht ändern...

"Willst du deinen Schwarm nackt sehen? Kein Problem mit dem Nacktscanner für dein Handy, kostenlos im Jamba Love-Abo."

Als ich nicht schlafen konnte sah ich mir You-Tube Videos von Dave Kloc an. Einer der Menschen, deren Blogs ich bisweilen lese. Ich hab nicht ganz durchschaut, was er eigentlich sein möchte - Illustrator? Aktions-Künstler? Jedenfalls stellt er lustige kleine, gut gemachte Filmchen von sich online wo er besonders seine körperlichen Defizite oder was er dafür hält beobachtet. Es gibt ein Video über sein Lispeln - was ich schon allein darum interessant fand weil ich, als durch elende logopädische Qualen von einem leichten Lispeln "geheilter" Mensch, mich bisweilen fragte wie und wo englisch sprechende Menschen lispeln wenn sie's denn tun. Nicht beim "th" wo's bei uns gern mal hakt... Ich schweife aber schon wieder ab. Worum es mir eigentlich geht sind Videos, die sich, zum Beispiel, mit Haarverlust auf dem Kopf und zeitgleichen Haarzugewinn an circa jedem anderen Körperteil befassen. Mit affigen Bartmoden. Mit dem ewigen Potential des menschlichen Körpers sich seltsam und häßlich und lächerlich zu benehmen und auf ebensolche Art zu verändern. Darin steckt ein hoher Unterhaltungswert den aber immer nur Männer ausnutzen. Frauen scheinen so gedrillt, daß es ihnen weit schwerer fällt sich hinzustellen und zu sagen (oder zu zeigen gar) wie unzulänglich in praktischem wie aesthetischem Sinne ihr Körper doch ist/wird/war. Geschlechtsbedingter Körperkult bewahrt uns davor. Wenn es nun wahr ist, daß auch immer mehr Männer der übermäßigen Eitelkeit erliegen fällt - mir wird was fehlen. Nebenbei bemerkt erscheinen mir Frauen - zumindest öffentlich - sowieso unlustiger. Was womöglich damit zusammenhängt, daß von Frauen mehr Zurückhaltung erwartet wird. Oder mehr Schein als Sein. Ich bin mir grad nicht sicher, ob irgendwer begreifen kann, was ich hier sagen will. Ich sollte mal üben präziser auf den Punkt zu kommen...
Während ich mir überlege wie ich das verbessern kann führe ich mal ein kleines Körperexperiment durch. Gestern in der Dusche rasierte ich nur mein rechtes Bein. Das war in dem Sinne keine Absicht, nur die derzeit allgegenwärtige Zerstreutheit meinerseits. Als mir das beim Abtrocknen auffiel dachte ich: "Gut. Lassen wir mal so. Mal gucken wie schnell und wie wild meine Haare wachsen." Mich nervt die Rasiererei sowieso, ich bin nur nicht cool und selbstbewußt genug drauf zu scheißen was die Welt von meinen Beinen denkt. Oder eben der Teil der Welt, der sie je zu sehe bekommt. Jetzt ist aber Herbst, keine Röcke und Shorts mehr. Sport treibe ich quasi nie und Sex auch nicht recht. Und sollte ich in die Situation geraten werden meine ungleichen Beine mich vor übereilten Dummheiten bewahren. Denn das rechte wird natürlich als Kontroll-Einheit immer hübsch glatt gehalten. Vielleicht nützt mir das aber auch beim Aufriß? "Du stehst also auf Körperhaar? Kann ich mit dienen!" oder: "Nee, haarige Beine finde ich auch abartig!" Je nachdem müßte ich das jeweils ungeliebte Beinmodell nur geschickt unter Decken verstecken oder aus dem Bett baumeln lassen. Die Möglichkeiten sind ja quasi unbegrenzt!

Falls da jetzt jemand nach Dokumentation schreit: schwierig. Ich habe meine Beine natürlich fotografiert. Allerdings nur mit meinem Telefon und für die Qualität dieser Fotos sind die spärlichen, 2 1/2 Tage alten Härchen an meinem linken Bein noch lange nicht explizit genug. Also spare ich mir das posten bis ein veritabeler Dschungel meine Wade überzieht.
Der Titel dieses Posts ist übrigens echt. Gerade bei Viva gehört. Was gucke ich auch Viva? Damit mir solcher Spaß nicht entgeht.

Sonntag, 14. September 2008

Testkochen

Dienstag ist der ver- male- deite Geburts- tag of hell. Ich hatte noch nie nie so wenig Lust Geburtstag zu feiern. Ich fand die Nörgler, die immer nur am Altern vor sich hin litten rechlich lachhaft. Und nu' das. Zu meiner Verteidigung/Rechtfertigung/persönlichen Stolzerhaltung sei bemerkt, daß es mir bei meiner Unlust nicht um's Alter geht. Überhaupt nicht. Vielmehr geht es darum, daß es mir seltsam erscheint Geburtstag zu feiern ohne die an der Geburt nicht minder Beteiligte. Auch das ist von Außen betrachtet ein ausgemacht schwachsinniger, dummer Gedanke. Aber die Vorstellung so wie immer feiern zu wollen geht einfach nicht. Also läuft es jetzt so, daß Papa und Susanne abends nachdem sie von der Arbeit kommt zu mir kommen. Mein Vater kommentierte die Einladung mit einem nonchalanten "Du kochst also, schön!" und somit saß ich in der Falle. Für meinen Vater kochen ist eine kniffelige Angelegenheit. Er ist mehr als zickig in seinem Essverhalten und nix von den paar Sachen, die ich tatsächlich ziemlich gut beherrsche könnte ich ihm vorsetzen. So kommen wir zu dem, was Sie, wertes Publikum, auf oben abgebildetem Foto sehen. Das ist der Plan: Gnocchi mit Pilzen. Heute mittag von mir zu Testzwecken erstmals gekocht. Funktionierte, schmeckte passabel. Und brachte mich während des Zubereitens doch ein wenig aus der Fassung. Man beachte: das sind selbstgemachte Gnocchi. Ja-ha. "Das kannst du?!" höre ich sie schreien und antworten möchte ich : "Jein." Also eigentlich schon, denn das ist nicht schwer. Nur nervig. Heute mein Problem: zu klebriger Teig. Zu weicher, klebriger Teig noch dazu. Es war eine gewisse Sauerei, aber ich denke Dienstag läßt sich der Teig vorbereiten und im Kühlschrank zwischenlagern während ich wieder sauber mache. Und 'n Tacken mehr Salz dazu könnte wohl auch.
Mein erster Post über's Kochen. Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll.

Mittwoch, 10. September 2008

Der letzte große Wal...

...ist der Titel des ersten Songs vom neuen Tomte-Album. Vorab-Single heißt das wohl. Gut? Ich bin nicht sicher. Er ist nicht mehr so unerträglich glücklich wie bei der letzten Platte. Ich gestehe, daß mir der traurige Thees einfach besser gefällt. Das ist bei ihm ähnlich wie beim Alkaline Trio. Da hat die Musik auch ein wenig "gelitten" seit sie verheiratet sind, Kinder haben und ausreichend für ihre Arbeit bezahlt werden. Oder gar, wie Matt Skiba, transzendental medintieren, was zum Teufel das auch genau sein mag. Und ich mache niemandem einen Vorwurf, denn es ist natürlich nicht unlogisch. Wenn du deine Kreativität - und deine textlichen Inhalte - daraus gezogen hast, wie mies dein Leben läuft und dann damit berühmt und erfolgreich wirst hast du vermutlich bald ein (ganz neues) Problem. Es ist auch nicht so, daß ich das letzte Tomte-Album überhaupt nicht mochte. Oder Irony&Agony. Diese Platten berühren mich nur nicht mehr so stark, sie sind mir nicht mehr so wichtig. Jetzt kann man wohl mich bemitleiden, weil ich nicht voran komme, und immer noch deprimiert (genug) bin um mich mit traurigen Loser-Liedern zu identifizieren. Aber ich vermute das geht vielen Zuhörern so. Es ist schön für Thees und Matt und all die Ex-Deprimierten daß es ihnen jetzt besser geht. Bloß ist es ja so, daß anderer Leute Glück das eigene Unglücklichsein noch hervorstechen läßt. Die, die mit Liedern über Erfolglosigkeit, Liebeskummer und Überlebensängsten groß wurden müßen sich natürlich neue Themen suchen, wenn sie bei Majorplattenfirma und Standesbeamtem erfolgreich vorgesprochen haben. So ist das. Ich werde mich nicht lächerlich machen und hier deswegen rumheulen. Ich hab ja die alten Platten. Und die Neuen kaufe ich auch. Ich darf nur einfach nicht die Hoffnung aufgeben, daß mein Leben irgendwann auch mal zu diesen "lichteren" Liedern passt. Völlig ausgeschlossen ist das ja nicht.
Aber wieder einmal habe ich den direkten Pfad zu der Aussage velassen, die ich eigentlich machen wollte. Nämlich warum ich mir trotz eher unfröhlichem Grundton nicht so sicher bin, ob das ein gutes, mir wirklich gefallendes Lied ist. Ich bin nämlich ein bißchen enttäuscht vom langweiligen Text. Was heißt langweilig. Das Tolle bei dieser Band ist ja immer die Art, wie er textet. So kunstvoll kryptisch mit Wortspielen und Sätzen, die ich jederzeit in meine Sätzesammlung aufnehmen wollen würde. Okay, "Ich fühl mich wie der letzte große Wal" ist nicht gerade völlig eindeutig. Und vielleicht soll der große Wal auch für die große Wahl stehen. Oder so. Aber das erscheint mir verzweifelt (von mir verzweifelt!) an den Haaren herbeigezogen, während einen früher der Wortwitz quasi ansprang, einem die Hand schüttelte und glücklich zurückließ. Das ist hier nicht so, das finde ich schade....

Puh.

Ich habe manchmal Glück. Nicht alles geht immer schief. Nur handelt es sich meist um so profane und wenig befriedigende Dinge wie das Wiederauftauchen einer EC-Karte....

Dienstag, 9. September 2008

11 Ton Butterfly

Daß es mir noch lange nicht wieder gut geschweige denn "normal" geht und ich in einem Zustand latenter Verwirrung durch die Welt wanke sei illustriert an zwei unterschiedlich dramatischen Beispielen.
1. Mein Haus wurde gestrichen. Das verunglückte Hakenkreuz ist weg. Das Erdgeschoß leuchted orange nachdem es die bisherigen 13Monate meines hier-wohnens eher schmutzig ocker war. Aufgefallen ist mir das - ich kann's natürlich nicht genau sagen. Ich vermute aber daß es schon ein paar Tage dauerte. Alles war staubtrocken, es wurde sogar schon ein Flugblatt der freundlichen Menschen vom Stadtteilmanagement (woran man merkt, daß ich wirklich in einem Problemviertel wohne...) an die neu-orange Wand gepappt. Darauf wurde ich eingeladen zu einem Treffen bei dem Maßnahmen gegen die Verschmutzung der Straßen durch Hundekot beschloßen werden sollen. Was wollt ihr tun? Die Hauswände unter Strom setzen? Oder die Tiere auf Diät? Ich werde es nicht rausfinden, ich habe da nämlich keine Zeit. Was fast schade ist, es hätte sicher einen gewissen Unterhaltungswert, dieses Treffen. Aber: ich schweife arg ab... Ich habe also weder das Streichen noch den neuen Anstrich (sofort) bemerkt.
Das ist ja vielleicht noch ganz amüsant. Weniger spaßig ist, daß ich
2. nicht mitbekommen habe, daß meine EC-Karte nicht mehr ist wo sie sein sollte, sich vielmehr wie es scheint überhaupt nicht mehr in meinem Besitz befindet. Zuletzt benutzt habe ich sie letzten Mittwoch. Eine Woche. Ich sollte leidlich hysterisch sein, huh?! Ich bin es nicht. Ich habe keinerlei Geld auf meinem Konto und bin am absoluten Ende des Dispos. Ein durchschnittlicher Verbrecher/Dieb/Gelegenheitsnutzer wird wenig Spaß mit der Karte haben. Heimlich hoffe ich, die Karte noch wieder zu bekommen - ich hab schon mal vergessen sie am Automaten mitzunehmen. Der zog sie ein und ich bekam sie per Post zurück bevor mir ihr Verlust auch nur aufgefallen war. Ich weiß aber noch daß ich dachte: das hat jetzt aber ganz schön lang gedauert. Vielleicht hofft die Bank, daß man kommt und fragt und sie sich das Porto sparen können. Aus völlig irrationalen Gründen hoffe ich auf morgen. Ich bin ja bekanntlich ganz super darin mir irrationale Hoffnungen zu machen. Ich würde das auch noch länger aussitzen, so bis Ende der Woche, müßte ich nicht dringend meinen Strom zahlen. Daß ich nämlich schon zum dritten Mal vergessen habe rechtzeitig zu überweisen könnte man quasi als Bonus-Beispiel meiner Verwirrung der Liste hier noch hinzufügen. Der geneigte, wenn wohl auch nicht-existente Leser dieser Zeilen fragt sich jetzt womöglich, wie es überhaupt sein kann, daß ich meine Karte nie brauche. Und warum ich sie jetzt für Überweisungen brauche, die man ja leicht mit einem unterschriebenem rosa Formular erledigen kann? Sehr aufmerksam beobachtet, Glückwunsch. Es ist nun mal so, daß ich mein Gehalt bar aus der Kasse meines kleinen Hippie-Kinos bekomme. Das ist das Geld, von dem ich so lebe. Die Eingänge auf mein Konto halten sich in engen Grenzen - und bestehen zumeist aus von mir getätigten Bareinzahlungen besagten Gehaltes. Bevor ich Strom zahle muß ich erst Geld auf mein Konto packen. Auch das geht ohne Karte, wie mir gerade beim schreiben klar wird. Ich müsste nur an einen Schalter gehen, statt wie mittlerweile gewohnterweise an einen Einzahlungsautomaten. Schwieriger: überweisen. Vor allem angesichts der Tatsache, daß mein Personalausweis seit Januar abgelaufen und der neue noch nicht da ist. Sollte meine Karte morgen nicht in der Post sein steht mir ein Tag voller Erklärerei bevor. Ich muß mein Versagen erklären, meine Verwirrung. Darauf habe ich ja überhaupt keine Lust. Lieber hoffe ich noch ein Weilchen auf die Post. Bitte. Bittebitte. Und bitte kein Profi-Betrüger der mir noch mehr Schulden auf's Auge drückt. Es gibt viele Gründe, so viele Gründe so langsam mal alles besser in den Griff zu kriegen. Aber echt alles...


*ICH BIN EBEN VERWIRRT! Fällt euch der Fehler in meiner Logik auf? 3 Punkte auf's Haben-Konto wenn ihr ihn findet. Fest steht nun: ich werde morgen irgendwie meinen Strom zahlen können. Ausser natürlich, der Profibetrüger hat mich so tief in den Mist geritten, daß meine Bank jeden Mini-Cent den ich einzahle sofort konfesziert.. Dann bin ich aber in der Tat gelackmeiert. Aber mit dem Fall beschäftigen wir uns erst wenn nötig. Definitiv erst morgen nachdem der Postbote da war...

Montag, 8. September 2008

"Glück ist ein Scherz. Aber ein ernster."

Nach gefühlten 35Jahren des Studiums der Amerikanistik möchte ich behaupten: die amerikanischste Form aller Literatur ist die Kurzgeschichte. Romane, Stücke, Lyrik - alles schön und gut, aber eigentlich immer überlegen sind sie den Werken der alten Welt meiner Ansicht nach nur bei der Kurzgeschichte. Worauf sie stolz sein sollen, ist doch die Kurzgeschichte quasi die Krone der Literatur wie ich finde. Mit sicherheit am schwierigsten zu produzieren ist sie in ihrer limitierten Form am unmittelbartsen. Nach dem letzten Satz einer guten Short Story bleibt man zurück inmitten seiner gerade erst bemerkten Empfindungen. Diese Form erfordert viel mehr Mitarbeit vom Leser, viel mehr eigene Kreativität und Phantasie. Wahrscheinlich berührt sie mich darum am meisten. Es macht einfach Spaß. Die Geschichte ist abrupt zu ende, aber mein Kopf kann nie so schnell abbremsen. Die Ideen und Erwartungen rasen noch ein Stück weiter über die eigentliche Ziellinie. Ich glaube kaum, daß irgendein Leser es schafft, sich keine Gedanken darüber zu machen, was nach dem Ende der Geschichte noch alles habe passieren können.
Ich mag T.C. Boyle und natürlich habe ich Salinger gelesen und geliebt. Aber der wirkliche Meister bleibt wohl Raymond Carver. Wenn ich nur ein Buch auf der Welt behalten dürfte wäre es vermutlich "Will you please be quiet, please?". Damit könnte ich lange klarkommen. Mag ich ihn, weil seine Figuren allesamt gescheitert sind im Leben, und ich michda latent zugehörig fühle? Vielleicht. Oder es ist diese lakonische, ruhige Sprache die all dieses "gewöhnliche" Drama in seiner Fürchterlichkeit nur noch betont. Das Leben in seinen Geschichte ist ganz durchschnittlich schrecklich. Es ist leicht sich damit zu identifizieren und erschreckend zugleich, denn Carver verweigert jede Form von "Alles wird wieder gut"- Romantik. Von manchem weiß man, daß es wieder in Ordnung kommen wird, das muß dann auch nicht extra erwähnt werden. Vieles bleibt schlimm. Wir haben das immer geahnt, und Carver bestätigt uns nur. Sehr berührend.

Das Zitat oben stammt aus einem Essay das der tolle Richard Ford über Raymond Carver geschrieben hat, und über ihre Freundschaft. Carver hatte schlechte wie gute Zeiten, die schlechten angenehmerweise zuerst und wußte so die Ironie und Launenhaftigkeit des Glückes an sich zu schätzen. Der Text steht am Anfang meiner übersetzten Aussgabe und beschreibt auf beeindruckend klare Weise was das lesen einer guten Erzählung mit dem Leser macht. Machen kann. Etwas, daß ich mal Mark zu lesen geben könnte, der mich ja dauernd fragt, was mir das lesen von Belletristik denn nun eigentlich brächte? Was denn mit Erkenntnisgeweinn sei bei einem rein fiktiven Text? Mich bringen diese Unterhaltungen immer an den Rand meiner verbalen Möglichkeiten, mir fehlen schlicht die Worte ihm zu vermitteln, was ich sagen will. Was Romane, Geschichten für mich sind und wie sie mein Leben besser machen. Er sollte diesen Essay lesen.

Sonntag, 7. September 2008

Gestern vormittag war ich wieder demonstrieren. Es ist einigermaßen ermüdend in dieser Stadt immer und immer wieder gezwungen zu sein, seine Samstage bei irgendwelchen Straßenblockaden zu verbringen um Aufmärsche rechter Gruppierungen an den sensibelsten Punkten zu verhindern. Ich sthe nicht so besonders auf die Autonomen und ihre ewigen Zwistigkeiten. Ich erkenne, daß ein schwarzer Block für Anwohner die nicht so im Thema sind ebenso bedrohlich erscheinen muß wie die Braunen jenseits der Straßensprerren. Aber ich glaube eben auch an sowas wie zivilen Ungehorsam und daran, daß man sich als Bürger da wehren muß, wo der Rechtsstaat, so es ihn denn gibt, an seinen natürlichen Grenzen gerät. Oder konservative Polizeipräsidenten nicht bereit sind, entsprechend zu handeln. Ich will niemanden verprügeln oder mit Steinen bewerfen. Ich finde es aber legitim, sich auf Gleise oder Straßen zu setzen um Aufmärsche zu blockieren und denen das Leben schwer zu machen. Mich interessieren dabei nicht die Zickereien von "Anti-Deutschen", "Anti-Imperialisten" oder sonstwie versprengten Grüppchen. Aber ich habe bei ihnen immer noch mehr das Gefühl mich gewegrt zu haben als bei der Kundgebung von DGB und Stadt. Ich mag keine Rumstehdemos mit linken Liedermachern und dem Oberbürgermeister während sich 500m Luftlinie entfernt 1100 Neonazis zusammenrotten und die Straßen für mehr als sieben Stunden übernehmen. Wie kommt man dazu einer solchen Veranstaltung Zeit von zwölf bis sieben einzuräumen für ihren Parolenmüll? Was sind das für Dimensionen? Mir ist klar, daß es schwierig bis unmöglich ist unter demokratischen Vorraussetzungen jede rechte Demo zu verbieten. Ich weiß, daß das was ich als mein Recht betrachte auch das Recht derer sein muß, die komplett anders denken. Aber gerade deswegen ist es wichtig, daß man denen das Leben schwer macht wo man kann. Und die zuständigen Behörden sollten sich ebenso verhalten und die Verhältnismäßigkeit der Dinge bedenken. statt siebnstündige Spektakel wie das gestern zu erlauben.

Dienstag, 2. September 2008

Falkental = Vorhölle

Ich gucke zuviel fern. Und ich habe definitiv zuviel Spaß an dem Trash den es da zu sehen gibt. Leider ertrage ich selten ganze Folgen von deutschen Soaps oder Telenovelas - ich kann schon bei diesen Begrifflichkeiten kaum an mich halten. Einzelne Fragmente schaue ich aber an, und weit vorn an opulent-spießbürgerlichem Schwachsinn scheint mir da das ZDF. Was die da Wege zum Glück nennen ist ein veritabeler Albtraum im 40+Minuten-Paket. Die jungen Menschen auf ihrem Weg zum Glück, welches wohl EHE heißt, sind an Altbackenheit (gibt es das Wort?) nur schwer zu toppen. Innovativ soll wohl sein, daß die "böse" Schwester die blonde, die herzensgute dagegen brünett ist. Im Gegensatz zur adeligen Hauptantagonistin, die mit ihrem schwarzen Pony und dem ewig roten Mund eine verblüffende Ähnlichkeit mit Entenhausens own Gundel Gaukelei aufweist und sowohl als Mutter (der bösen Halb-Schwester) als auch als Stiefmutter (diverser positiv besetzter Figuren) in Erscheinung tritt. Ehen zerrüttet, morded, stiehlt, betrügt, Querschnittlähmungen vortäuscht und dabei stets die Hausangestellten tyrannisiert. Hausangestellte gibt es einige. Selbst einen steifen Butler der der patenten Haushälterin erst das Leben schwer machte, mittlerweile aber auf bestem Wege ist ihr knorrig' Herz zu erobern. Man bleibt bei seinesgleichen. Ähnliches gilt für den Förster, der mit einer Cafébesitzerin liiert ist die schon mal blind war, jetzt aber erfreulicherweise nicht mehr. Diese beiden hätten gern ein Kind, aber der Waldfreund ist dazu nicht in der Lage. Künstliche Befruchtung ist dann vielleicht doch etwas heikel für's nachmittägliche Geplänkel also tritt ein Waisenkind mit dem unglaublichen Namen Theo auf. Dieses muss nun, da sein Heim aus irgendwelchen Gründen komplett "nach Norddeutschland" umzieht und der Kontakt abzureißen droht, natürlich adoptiert werden . Hatte ich erwähnt, daß alle Hauptfiguren außer besagter Barfrau nebst Waldschrat und natürlich den Hausangestellten in einer Porzellanmanufaktur arbeiten? In einem Ort namens Falkental? Wer würde dort nicht leben wollen, unter all den Simons und Luisas und Noras und Annabelles und Lizzies und Elsas? Bei Theo und Konrad? Wer denkt sich diese Namen aus? Wer diese Berufe? Wer diese Frisuren und wer bestimmt, daß die Heldin - Luisa - immer rot oder rosa oder mindestens lila tragen muß aber niemals blau oder grün? Wer läßt sie bei einem Ausflug mit dem Heißluftballoon und Simon - dem laaaangweiligsten Helden aller Zeiten - sagen: "Sieh! Das Gutshaus! Das Gutshaus..."? Wer tut sowas? Und wer mag sowas?

And we're definitely going to hell, but we got all the best stories to tell

Gestern habe ich angefangen "Die Vermessung der Welt" zu lesen. In letzter Zeit wende ich mich verstärkt "SPIEGEL-Bestsellern" zu...
Habe mein Exemplar geliehen, von S. der mir unglücklicherweise immernoch zuviel bedeutet. Ich fühle mich verpflichtet es durchzulesen bevor er aus dem Urlaub zurück kommt. Den er mit seiner Freundin verbracht hat. Mit der er seit seinem 17. Lebensjahr zusammen ist. Und seit vier Jahren zusammenlebt. Ich bin leidlich erbärmlich wenn ich es nicht fertig bringe, die Zettel die er darin hinterlassen hat nicht zumindest als Lesezeichen zu benutzen.

"Ihr kriegt ein Autogramm/ was guckst du meine Tätowierung und mein Auto an?/"

Im Haus gegenüber ist, genau meiner eigenen Wohnung gegenüber eine Wohnung des Jugendamtes, wo halbstarke Jungs relativ un-betreut wohnen. Deren Fenster (also eigentlich wohnt immer nur einer da, aber sie wechseln so häufig, daß man schon im Plural von ihnen sprechen kann...) liegt keine zehn Meter Luftlinie von meinen Schlafzimmerfenstern entfernt. Das ist insofern wenig erfreulich als daß diese jungen Herren (bisher waren es immer Jungs) vereint sind in einem miserabel schlechten Musikgeschmack. Sehr beliebt: mieser deutscher Rap. Ich kenne mehr Bushido-Songs als einem halbwegs gesunden Menschen lieb sein kann. Der Letzte, der dort wohnte bemerkte irgendwann, daß er von seinem in mein Fenster gucken konnte. Und vollführte im Anschluß regelmäßig lustige Verrenkungen von denen er sich wohl versprach, daß ich ihn ihn wiederum beim nachmittäglichen spannen nicht entdecken möge. Vergeblich. Dieser Knabe war nur sehr kurz da, malte etwas, das einem unattraktiven Tribal-Tattoo nicht unähnlich war an die Wand hinter dem Fenster und stand gern laut telefonierend an seinem offenen Fenster. Auf die Weise erfuhr ich einiges von dem, was ihn so umtrieb. Ich habe das meiste wieder vergessen, vielleicht ausgenommen den Tag, an dem er tatsächlich heulend dort stand und irgendjemandem erklärte sein Handy sei weg, in einer fremden Wohnung geblieben deren gemeiner Besitzer ihm nun die Türe nicht mehr öffnen wolle. Dabei sprach er in etwas, das wohl sein Zweit-, Ersatz- oder Notfallhandy sein musste. Um einen Notfall handelte es sich offensichtlich. Nach seinem plötzlichen Auszug wurde erstmal renoviert, was angenehm still vonstatten ging - nicht einmal eine Bohrmaschine war in Gebrauch, jedenfalls habe ich nichts dergleichen mitbekommen. Seit gestern nun gibt es einen neuen Bewohner. Mit altbekannten musikalischen Vorlieben, wie ich schon bemerken durfte. Ich bin einigermaßen froh, daß der Sommer vorbei ist und mir nicht sofort der Erstickungstod droht, wenn ich mal die Fenster schließe.
Ich bin altmütterlich, spießig und intolerant.

Montag, 1. September 2008

Sechs Wochen, ein Tag...

Heute fragte mich mein Arbeitskollege Mark was denn mit mir los sei. Ich wirke so frustriert. Oder zumindest: deprimiert. Also sage ich ich sei halt oft traurig dieser Tage. Warum? fragt er. Weil meine Mutter gestorben ist. Du Trottel. Letzteres dachte ich nur, was mal wieder ein Beweis dafür ist, daß ich netter und dipolomatischer bin als mir allgemein nachgesagt wird.
Es hat mich schon erstaunt, wie schnell das jetzt doch ging. Es fiel ihm nichtmal ein als ich sagte ich sei traurig. Was ja von "trauern" kommt. Ich habe ihn quasi mit der Nase drauf gestoßen. Für ihn ging das Leben weiter, und dieses Ereigniss ist längst ganz weit in den Hintergrung gerutscht. Normal. Und unglaublich.